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Kurwa

  • Schwesta Ewa - Kurwa (Review)

Seien wir mal ehrlich: Weibliche Deutschrapprotagonisten sind immer noch rar gesät und kaum relevant. Das mag an mangelnder Qualität, an vorurteilsbehaftetem Klischeedenken einiger potenzieller Rapkonsumenten und, auch das muss man sagen, an mangelnder Quantität liegen. Doch so ist es nicht immer. Nicht im Falle von Schwester Ewa und nicht im Falle ihres Debütalbums „Kurwa“. Man könnte sogar behaupten, dass noch nie eine Rapperin so sehr polarisierte wie die ehemalige Prostituierte aus dem Alles-oder-Nix-Camp. Natürlich könnte man den Inhalt des Albums plattitüdenhaft auf „Vom Puff in die Charts“ runterbrechen. Könnte man, doch damit würde man diesem Stück Musik nicht gerecht werden. Denn nach über zehn Jahren im horizontalen Gewerbe, also über 20 Semestern Studium des Milieus mit hohem Praxisanteil, kommt so einiges an Geschichten zusammen, die es zu erzählen lohnt. Ein größerer Teil der Bevölkerung hat ein Bordell bisher noch nie von innen gesehen, geschweige denn sich mit einer Prostituierten über ihren Alltag unterhalten. Deswegen ist es spannend zu erfahren, was hinter den Mauern abläuft. Man wird in eine Welt mitgenommen, die weit weg von der eigenen Realität liegt. Glücklicherweise spricht Ewa dann mit einem überaus gereiften Flow nicht nur in Floskeln, sondern erzählt in beinahe jedem Track eine Kurzgeschichte mit wechselnden Hauptcharakteren. Da ist Elise („Für Elise“), die Althure, die der jungen Ewa die wichtigsten Kniffe beibrachte, um den Gewinn auf ein Maximum zu steigern – zu lasten der Freier natürlich. Da ist Darius, der mit zwei Freunden durch ein Versehen seine eigene Schwester vergewaltigt und sich selbst mit dem Messer richtet („Boomerang“). Die Realität wird ungeschönt dargestellt und manchmal muss man tatsächlich ein wenig schlucken. Die Instrumentale sorgen jedoch dafür, dass die 24 Titel nicht überfordern. Hier wurde es klassisch gehalten, mal funky und beinahe tanzbar, dann wieder dreckig, trocken und samplelastig. Das Zusammenspiel aus konsequent hochwertigen Beats und der unbekannten Erzählerperspektive ist schlussendlich das, was fesselt und „Kurwa“ zu einem starken Release macht. Wer allerdings absolut nicht an den Geschehnissen im Rotlichtmilieu interessiert ist, kann sich den Griff zum Album sparen. Für alle anderen wird es spannend. Quelle: Backspin.de